Der Buchsbaumzünsler (Glyphodes perspectalis)

Zur Überwinterung in Kehl

Bericht von Klaus Rennwald

hier ein ueber 100-jaehriger Buchs in Kehl-Marlen

über 100 Jahre alter Buchs
in Kehl-Marlen, Vorfrühlingsaspekt

Nachdem das Schadbild des Buchsbaumzünslers (Glyphodes perspectalis) bereits 2006 in der Innenstadt von Kehl registriert worden war, wurde der Verursacher 2007 dingfest gemacht (siehe externen Link). Daraufhin wurde die Bestandssituation und das Fraßbild in Kehl und Umgebung untersucht. Auffallend war, dass in der Kernstadt praktisch jeder Buchs von Raupen der genannten Art besiedelt war, wohingegen in der weiteren Umgebung die Suche vergeblich blieb. Dies spricht für eine sehr junge Besiedlung, die nicht über die großen Versandketten erfolgt ist. Vielmehr dürfte die bisherige Ausbreitung im Wesentlichen auf aktiven Falterflug von einer "Gründerkolonie" aus erfolgt sein. Jetzt sind allerdings auch Gärtnereien betroffen, die Kunden bis in größere Entfernungen beliefern. Da der Befall zunächst nicht auffällt, können Eier und Raupen unbemerkt mit dem Buchs verfrachtet werden. Somit steht eine rasche Ausbreitung zu befürchten. Unklar war bisher, wie und ob die Raupen in Deutschland den Winter überstehen.

Da in einer Kehler Gärtnerei bereits Ende Februar die ersten Raupen im Freiland gefunden wurden, fuhr ich am 1. März nach Kehl-Marlen, um mir selbst ein Bild zu machen. Der Zustand des bereits im Vorjahr besiedelten Buchsbaumes hat sich seit dem Herbst kaum verändert. Das ist nicht verwunderlich, da sich die letzten erwachsenen Raupen im Herbst verpuppt haben. (Das Frühbeet im Vordergrund ist ein typisches Relikt traditioneller Bauerngärten der hiesigen Gegend. Es diente früher zur Anzucht von Tabak, weshalb derartige Frühbeete umgangsprachlich als "Diwakgutsch" bezeichnet werden. Wo sie noch erhalten sind, werden sie mit oder ohne Überdachung zum Gemüseanbau oder einfach als Staudenbeete genutzt.)

Die alten Gespinste mit den Kotballen waren noch im Vorfrühling als sicheres Indiz für das Vorkommen des Buchsbaumzünslers gut zu erkennen.

Es dauerte nur wenige Sekunden, bis ich die erste Raupe in Mutters Garten fand. Die etwa 8 Millimeter große Raupe hatte drei Blätter nahe der Spitze eines Zweiges zusammengesponnen und war bereits recht aktiv. Nach diesem Suchschema hatte ich schnell 15 Jungraupengespinste gefunden. Da nur ein kleiner Teil des Buchsbaumes untersucht wurde, kann der Bestand mit 50 bis 100 Raupen hochgerechnet werden. Die Jungraupen machen zunächst einen Schabefraß auf der Blattoberseite.

Dass die Raupen bereits aktiv sind, verrät frischer Kot, der zwischen den zusammengesponnenen Blättern herausrieselt. Die abgefressenen Blätter stammen vom vorigen Jahr.

Gespinst einer Jungraupe, Kehl-Marlen 1.3.2008

Gespinst einer Jungraupe. Die alten Fraßstellen stammen von ausgewachsenen Raupen im Herbst, Kehl-Marlen 1.3.2008



Junge Raupe. Der Schabefraß oberhalb der Raupe zeigt das bereits verlassene Überwinterungsquartier an, 1.3.2008

Junge Raupe. Der Schabefraß oberhalb der Raupe zeigt das bereits verlassene Überwinterungsquartier an, 1.3.2008

Lediglich eine Raupe hatte ihren Überwinterungsplatz bereits verlassen und begann eine Etage tiefer ein neues Gespinst anzulegen. Es ist zu erwarten, dass bereits die überwinternden Raupen lokalen KahlfraƟ am Buchs erzeugen. Voraussichtlich könnte die Folgegeneration noch individuenstärker werden. Eine Bekämpfung mit Insektiziden dürfte wenig Erfolg versprechen, da wahrscheinlich bereits tausende von Buchspflanzen in hunderten von Gärten und öffentlichen Anlagen besiedelt sein dürften. Es gilt daher mit dem Buchsbaumzünsler zu leben. Der Buchsbaum (Buxus sempervirens) wird voraussichtlich seinen Ruf als immergrüner und unempfindlicher Strauch verlieren.

Fazit
Glyphodes perspectalis übersteht auch frostreiche Winter im Freiland ohne große Verluste. Der Ausbreitung der Art in Mitteleuropa steht daher nichts im Wege. Da im Raum Kehl wohl schon tausende von Buchsbäumen befallen sind, dürfte es für eine komplette Bekämpfung zu spät sein. Durch den regen Handel mit Buchs ist mit einer landesweit raschen Ausbreitung zu rechnen.



Externe Links:

Infos im Lepiforum: http://www.lepiforum.de/cgi-bin/lepiwiki_vgl.pl?Glyphodes_Perspectalis

Foto des Falters bei nafoku.de: http://nafoku.de/butfly/htm/17102007_0836.htm

Der Buchsbaum bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Buchsbaum



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